Traumfänger
Aus Wikingerwerkstatt
Von ihr zu träumen ist die eine Sache, sie vor sich zu stellen im Tagtraum erst einmal nicht romantisch und letztlich als lebendiger Person nur zu lauschen, wie sie geliebt wird, real genug, um wieder davon zu träumen.
Verschwimmendes Flimmern vor meinen Augen, die müde sind und nicht klar sehen, aber verstehen, dass sie da ist. Ihre Lippen benetzen mein Gesicht feucht und ihre Brüste drücken auf meine Brust. Sie richtet sich auf, ihre langen Haare kitzeln mich am Kinn und sie räkelt sich verführerisch. Nicht stürmisch, noch wild, eher behutsam aber flink, rafft sie meine Bettdecke hoch, hebt ihr Nachthemd und verschwindet zwischen den Stoffen. Ich erwache glücklich, finde sie wieder, als ich mich aufrichte und ans Ende des Schlafsaals sehe. Ferienlager.
Das Glück kam mit dem Wissen, sie den ganzen Tag immer wieder zu treffen. So ertrug ich den Schmerz, nur einem Traum erlegen zu sein.
Zu früher Morgenstunde, noch vor dem Weckruf erwachte ich und sah noch einen Zipfel von ihr durch den Türspalt verschwinden. Ohne zu zögern, raffte ich meine Sachen zusammen und zog mich im Verfolgen an. An der Tür sah ich sie um die nächste Ecke gehen und ich nahm ihre Fährte auf. Immer gut versteckt, lugte ich um Ecken und Vorsprünge, bis wir das Gelände des Ferienlagers verließen und ich hinter Sträuchern und Bäumen Versteck suchte. Sie traf einen jungen Mann, er war auch aus meinem Schlafsaal und er empfing sie mit einem Kuss.
Gustav und Regine. Sie sind gleich groß und haben ähnliche Gesichtszüge. Zu Anfang hielt ich sie für Bruder und Schwester, sie teilten auch von Beginn an unausgesprochene Kommunikation, die schon durch ein leichtes Kopfnicken ihren Ausdruck fand. Diese Nähe erklärte ich mich mit Verwandtschaft, doch nun sehe ich mich eines besseren belehrt. Die Küsse mehren sich und er fängt an sie auszuziehen. Als Voyeur spürte ich einen Widerwillen gegen ihn, den Mann, dass ich erzürnte. Dieser Schuft, diesen Engel mich nicht sehen lassen und ihre Augen nur auf sich zu fixieren. Mich hingegen trugen die eigenen Beine geschwind und meine Augen koordinierten meine Beine zwischen dem Geäst hindurch, die Arme gebrauchend mich zu schützen und Zweige zu brechen. Derweil meine Träume mich heimsuchten und mich zu ihrem Gefährten machten. Zusammen fliehen wir eiligen Schritts immer weiter, stolpern oder helfen einander auf, bis wir außer Atem an einer Lichtung stehen bleiben. Seeluft umweht uns und wie sehen einander an. Schwitzend, sie bebt förmlich im Stehen, ihre roten Wangen lassen mich ihre Freuden ahnen und das Prusten zerstückelt ihre Worte zu „Baden“, doch ich schüttle den Kopf und gehe auf sie zu. Packe sie am Hinterkopf und an der Taille um sie zu küssen. Doch sie rückt zur Seite. Ohne dass sie meine Kraft abwehrt, steht sie plötzlich neben mir und lächelt wie zuvor. Unsagbar peinlich erschien mir mein gespitzter Kussmund. Doch sie rannte weiter und ich ihr hinterher. Vor mir zog sie ihr Oberteil aus und warf es im Lauf fort und ich hob es auf, roch an ihm, benässte mein Gesicht mit ihrem Schweiß, mischte meinen Schweiß mit ihrem und stolperte. Bauchlinks fiel ich hin, rappelte mich auf und sie nutzte mein Ungeschick, die Hose auszuziehen, wedelte sie über ihrem Kopf und zeigte sich mir barbusig wunderschön. Refklexartig rannte ich weiter, sah die Hose fliegen und dann den Schlüpfer und prompt verschwand sie in der Tiefe. Ein Sandstrand und sie schon planschend…
Ich erschrak, denn plötzlich stand ich in der Lichtung, in der Gustav und Regine sich getroffen hatten, unmerklich war ich im Kreis gelaufen und hielt Ausschau nach den Beiden: „Hinfort mit ihm, nimm mich!“, rief ich aus und da tauchte sein Kopf aus dem Gras auf. Er richtete sich auf und zeigte sich völlig nackt. „Was willst Du?“ „Regine“ „Hör uns zu.“, erklang es aus den Tiefen des Grases und ich fiel nach hinten um, lachte laut auf und schaute in den Himmel. Gustav rief noch einmal „He“ und hörte dann auf Regine, die ihn forderte: „komm zu mir.“ Und ich lauschte.
Die frommen Schäfchen am hellblauen Himmel zogen weg und es tauchten neue Quellwolken auf, die so organisch anmuteten, dass ich beinahe wegsehen musste. Ihr Lachen war unbekümmert und vital. Seine tiefen Laute zeugten von Vertrauen, das die beiden teilten. Kein Wort von ihm, sie begann zu stöhnen und zu keuchen. Nur grünes Gras zwischen uns und keine Wände. Der Himmel zu meinen Füßen, die sich eingrub unter Erde und zu meinem Scheitel die brennende Hölle. Die Sonne briet mich, erhitze mein Gemüt, ich hörte ihre Lust, die sich steigerte. Ein sommerlicher Schauer brach aus und kühlte uns ungesehen die Wolken, aus denen er fiel. Ein Regenbogen wider allen Tiefen der Erde, diejenigen missend, die 6 Fuß über sich Erde stapeln. Jene, die sich nach den Tönen sehnen, die ich zwischen Blätterrascheln vernehmen konnte. Wollust und Freude, gemischt mit herzlichem Lachen und Kichern. So zärtlich müssen seine Hände sein, sie die meinen nicht missen lassen, welche sie nur berührten in Träumen. Hinfort mit ihm, sie merkte es gar nicht, ginge ich jetzt von dieser Lichtung.
Ich trüge sie auf Händen und fiele in ein goldenes Leuchten. Schwärze umfängt meine Realität, ihr Stöhnen wird immer fester und eindringlicher, es mischt sich tiefes Brummen darunter, das alles um mich herum sich in Tod kleidet. Die Blätter welken, diejenigen aus der Tiefe, fesseln mich auf der Erde, ich werde langsam von Blättern ebenso begraben wie sie, sie gingen, ohne bemerkt zu werden.
Nicht mit mir. Ich rapple mich auf, reiße die Wurzeln fort und werfe einen kleinen Stein, dann noch einen und gehe näher ran, treffe Gustav und kann ihn doch nicht stören in seinem Akt. Ich fange an zu schreien und wieder nichts, hole tiefer Luft und brülle ur. Ein Schrei auch meiner Eingeweide, die alle gegen diesen Schuft wehren und trenne sie dennoch nicht.
Bin ich schlafend, ist ihr Stöhnen mir solch ein Fest, dass ich unter ihren Tönen in Schlummer gefallen ihr halb bewusst lauschen und mich nach ihren Brüsten sehnen kann ohne sie zu erreichen? Ich sehe sie, auftauchen zwischen dem grünen Gras, ihre Brüste wogen bei jedem ihrer Schritte und sie schürzt sich ihre Lippen, streicht das Haar hinter die Schultern und wischt sich den Schweiß von Bauch und Brust. Mit einem Mal reißt mich die Realität aufrecht und sie ziehen sich gerade an. Sie lächelt mild und wirft mir eine Kusshand zu.
Weiß sie wer ich bin? Ihr Liebhaber, hätte ich nur ein paar Minuten langer genickt. Sie gehen und ich stehe auf.
