Kreatives
 

Tanzen oder Sprechen

Aus Wikingerwerkstatt

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Tanzen oder Sprechen


von Eve McFar


Voller Energie treiben sie sich an, rauchen eine nach der anderen, schwanken zwischen dem Rhythmus ihrer Hüften und der eigenen Melodie ihrer Sätze mit dem Oberkörper vor und zurück. Es trinkt ein jeder, wenn er sich langweilt oder geht auf die Tanzfläche, um auf die Hüften zu hören, zum Schwips in Schwung zu kommen und mit den schwammigen Muskeln die weichen Gliedmaßen im Rhythmus der Musik zu strecken. Im Gedränge versuchen sie mit albernen Posen lachend und ungelenk ihre Unkenntnis einfacher Schritte zu überspielen, wobei sie kaum den Rhythmus treffen. Ich steige die Stufen zur Tanzfläche hoch und begebe mich in die wogende Masse.

Umgeben von einer trostlosen Menge eilig bewegter Gliedmaßen, erschienen ihre Gesichter lachend verzogen. Nach außen wirkten sie genauso facettenlos, wie sie wohl waren. Stießen sie mit ihren ungelenken Bewegungen mal aneinander, wichen sie mit dem Schritt, den sie gemacht hatten zurück aus, entschuldigten sich nicht, suchten keinen Blickkontakt und wiederholten den Schritt mit weniger Schwung, um die Berührungen sein zu lassen. Oder sie forderten gerade mit drängendem Kontakt mehr Platz für sich ein, um die Arme besser wirbeln, die Schritte ausfallender setzen und sich mehr darstellen zu können.
Die laute Musik lässt nur schreiendes Geflüster ins Ohr. Verschwommen zuckende Bilder bleiben nur für Millisekunden auf der Netzhaut und ebenso im Gedächtnis. Die eigene Kleidung ist der normalen ganz entfremdet und mein Verhalten für mich selber eine Überraschung.
Wie anzüglich doch schon mein Mund am Ohr der Frau ist, wenn ich mich dabei aufrecht hinstelle. Sie berührt meine Brust mit ihrer, mein kleiner Bauch den ihren, nur um zu fragen, ob sie auf ein Wort mit mir an der Bar etwas trinken mag. Die provozierte Nähe bringt mit, dass ich sie schon an ihrem Unterarm streichele oder ihre Schulter mit dem Kinn berühre. Sie lächelt ein wenig, schenkt mir einen sanften Augenaufschlag, worauf ich im lustvollen Affekt handelte.
Ich packe sie am Handgelenk und ziehe sie hinter mir her. Am Rand der Tanzfläche bleibt sie stehen. Ich drehe mich um und schaue sie aus der Entfernung unserer beider Arme fest an. Was für ein guter Abstand zum Tanzen, sie kann mich in meiner ganzen Erscheinung einfangen.
Das zitternde Licht jedoch und der Dampf verwischten meinen Eindruck. Ich plusterte mich auf und machte das Beste aus meiner Erscheinung. Ich streckte meine Brust raus, meine Schultern werden breiter und meine Arme hängen zur Seite ab. Denn ich will stark und stolz wirken, ein Mann sein, den sie kennen lernen will. Doch es gelang nicht.
Den Raum den ich ihr gab, nutzte sie zur vorschnellen Flucht.

Sie tanzen alle durcheinander, halten irgendwie Abstand oder auch nicht, reiben sich oder stoßen sich, hingegen sie drängelte und floh vor mir. Ich ließ sie natürlich nicht einfach fort. Ich packte sie wieder am Handgelenk, um ihr zu zeigen, wie viel mir daran liegt, dass sie mich anschaut. Als sie jedoch einmal kräftig zerrt, werde ich unsicher, lasse aber nicht los. Sie sagt es sogar und ich bleibe stur, bis ein Typ zwischen uns treten und trennen will. Doch mir fällt gar nicht ein, sie los zu lassen und nutze seinen Schwung für mich aus. Er redet unverständlich, hält ein Bier in der Hand und drückt mit seiner Hüfte auf meine Verbindung mit ihr, meine Hand, mit der ich nur etwas fester zupacke, aber vor allem seine Kraft auf meinen Arm auch auf ihren Arm bringe und dabei ihren Drang zur Flucht mit seinem Schwung auf meine Hand sachte abfedere, bis sie beiden stehen. Ich nutze ihren Stillstand und schlängele mich elegant um den weiter pöbelnden Kerl herum.
Er konnte mir nur nach schauen und sein Bier hoch halten, wobei ich mit Schwung beinahe auf sie prallte. Doch ich nahm sie im Schritt vorwärts mit und schob sie an der Taille mir nach, woraufhin wir die Richtung teilten und sie mir ein Lächeln schenkte, ohne den Blick zu wenden und wir maßen drei Stufen von der Tanzfläche runter, bis wir gleichen Schritts und ungewollt in eine stehende Menge stießen.

Zwei so rücksichtslose Menschen können sehr wohl aus einer ruhenden Masse eine Kette machen, deren Übergänge nicht vom Gleichgewicht getragen werden, sondern von Getränken, zu Aufschreien, Rempeln, Zorn und Schuldzuweisungen, die sie am lautesten von sich gab. Aus quietschfideler Kehle schrie sie den erst besten Kerl an, drängelte ihn und öffnete uns so einen Korridor mit dem rückwärts weichenden Kerl, der nicht verstand, was mit ihm geschah. Welch ein Temperament. Sie brachte uns ins Freie. Einmal wendete sie auf dem Weg hinaus ihren Kopf zu mir und sah mich lächelnd aus der Entfernung unserer beider Arme an. Ich weigerte mich nicht und freute mich auf anderes Licht.
„Quatschen oder Tanzen?“, fragte sie und musternd.
Ich musste lachen, denn wie lässt sich so etwas erzählen, sie hatte ihre Arme weder in die Hüfte gestemmt, noch hinter dem Rücken, sie spielte auch nicht mit den Fingern herum oder ließ ein Gliedmaß wippen, keinen Zeh, nicht den Fuß, noch die Wimpern. Auf eine so klare und ruhige Erscheinung war ich nicht gefasst und ich amüsierte mich umso mehr. Ich tanzte vor ihr mit meinem Zwerchfell und schaute lachend auf und ab. Genoss den Anblick ihrer wohlgefühlten Formen, der geschwungenen Brüste und ihres gelockten Haares, entspannte mich ob ihres weichen Standes auf starken Beinen und schwungvollen Hüften. Sah auch in ihre Augen und fand sie langsam schmunzelnd. So groß und rund.
Sie erzählten mir Geschichten von vielen Männern, sie sprachen mit einer leicht abfälligen Distanzierung, als seien sie nicht zu beeindrucken und doch schwand diese Kälte mit meinem Lächeln, zu einer warmen Neugierde in tiefem Braun.

Sobald ich mich ihr vorgestellt hatte, bat ich sie um einen Tanz an Ort und Stelle, nahm sie bei der rechten Hand und führte einen Swingschritt vor. Dabei streckte ich das rechte Bein aus, stellte mich darauf und wich dann zurück, wippte vor und zurück und streckte mein linkes Bein zur Seite aus, ebenso meine Arme und stellte mich wieder auf das rechte Bein. Wiederholte die Schritte und streckte meine Beine und Arme animierend in jede erdenkliche Richtung. Dabei ergänzte ich meine Bewegungen mit dem Hinweis, die Musik sei hier leiser und der Rhythmus doch ihrer. Ich hab hier mehr Freiraum und ich suche die Liebe.
Ich wählte die Worte: „Welchen Tanz magst du?“