Ich bin Tim
Aus Wikingerwerkstatt
Ich bin Tim und es fällt mir schwer, Worte zu finden. Wie soll ich es sagen: Ich bin einsam.
Im Moment klingt das noch sehr profan und eher lächerlich, wie kann jemand damit Probleme haben, zu sagen, dass er einsam ist? Aber bei mir ist es etwas ganz anderes, ich bin ganz allein und niemand wird mir da heraus helfen!
Warum?
Weil mich niemand sieht, ich bin, ohne gesehen zu werden, noch ein Mitglied dieser Welt.
Alles fing wie immer an, ich ging zur Schule. Erst stehe ich auf und wasche mich, putze mir die Zähne und frühstücke. Dann packe ich meine Mappe und gehe zur Bushaltestelle. Da warte ich auf den Bus und setzte mich nach ganz hinten. Wenn ich fahre, starre ich aus dem Fenster und betrachte dabei jeden Tag dieselbe Strecke, sehe dieselben Menschen, die auch auf dem Weg zur Arbeit sind und sie sehen auch manchmal mich. In der Schule bin ich sehr unauffällig, meinen Arm hebe ich eigentlich nicht, denn wenn ich etwas sagen sollte, werde ich dran genommen. Ist die Stunde zu Ende, verlasse ich allein den Raum und bin schon auf dem Weg, zur nächsten Stunde. Wieder hebe ich den Arm nicht und wenn der Lehrer nicht die Anwesenheitsliste durchsehen würde, bemerkte er mich gar nicht. So kam es nämlich schon vor, er nannte meinen Namen, schaute sich um und fand mich nicht, er sah über mich hinweg. Kaum hörbar, denn es ist mir ungewohnt, sagte ich: „Ich bin hier.“, und er nahm mich wahr. Das war auch die Möglichkeit, den Mitschülern zu zeigen, dass ich da bin, doch sie bemerkten mich nicht wirklich.
Kaum klingelte es für mich zum letzten Mal, der Tag in der Schule war vorbei, da machte ich mich auf zur Bushaltestelle und wartete auf den Bus. Auf dem Heimweg sah ich zwar andere Menschen, aber auch sie waren die selben wie an den Vortagen.
Endlich wieder in meinem Zimmer, legte ich mich erst einmal hin und genoss die Ruhe, schlief ein wenig und ging dann in die Küche. Dort fand ich immer einen Zettel, auf dem stand, was zu erledigen sei, so auch heute. Ich musste den Eimer raus tragen, das Geschirr abwaschen und mal wieder die Blumen gießen.
Alles kein Problem, ich vollführe die Aufgaben in einem schnellen Rundschlag und gehe wieder in mein Zimmer, da lege ich mich hin und mache den Fernseher an, schalte umher und suche mir die Serien, die ich jeden Tag gucke. Irgendwann am Abend setzte ich mich dann vielleicht noch vor die Hausaufgaben, die ich in der Schule bekommen habe und versuche es zumindest, so gut ich gerade kann.
Eigentlich sehe ich meine Mutter und meinen Vater so gut wie nie. Wenn sie nach Hause kommen, bleiben sie vorn und ich bin dann der, der sie begrüßen kommt. Es gab schon Tage, da habe ich es vergessen und bin hinten geblieben, da sah ich sie gar nicht. Die Arbeiten waren erledigt und ich blieb ohne Lob und Tadel.
So war es auch, wenn dann das Wochenende anfing. Ich blieb im Bett und schaute meist den ganzen Tag fern. Wollte ich etwas essen, ging ich vor und machte es mir, dann legte ich mich wieder ins Bett und schaute weiter fern.
Es ging mir zu der Zeit richtig gut, ich lachte zwar nicht oft, nur immer vor dem Fernseher, aber dafür ärgerte ich mich auch nicht! Solche Tage blieben immer ohne Kontakt zu anderen Menschen, ich genoss es und heute weiß ich, dass es ein Fehler war. Wie konnte ich den Kontakt nur so verkümmern lassen?
Schlimmer wurde es erst, als ich bemerkte, wie meine Eltern den Zettel nicht mehr mit meinem Namen begannen, dass sie ihn einfach an jeden richteten. Trotzdem erledigte ich alles in einem Rundschlag. Wie jeden Tag legte ich mich dann wieder in mein Zimmer und schaute fern, ich fand es doch gut so und die Formulierung war mir wieder egal.
So fing es an, aber es steigerte sich natürlich. Wenn ich zum Beispiel im Bus saß, schien mich niemand zu bemerken, kein Mensch um mich herum sah mich an, ich fand keinen Augenkontakt auf der Straße und keinen im Bus, ich war irgendwie nicht beachtet worden auf der Fahrt zur Schule.
In der Schule wurde nun öfter der Fehler gemacht, meinen Namen zu sagen, mich aber zu übersehen. Also meldete ich mich zu Wort, die wenigen Male zu der Zeit, da ich überhaupt etwas sagte. Es war immer spärlich ausgefallen, ich hielt mich selbst zurück. Es stellte sich dadurch nicht unbedingt heraus, dass sie mich bemerkten und es war mir ziemlich egal geworden. Also sagte ich meist gar nichts mehr.
Ernst wurde die Situation, als ich im Bus saß und ein Mensch sich auf meinen Schoß setzten wollte, er hatte mich nicht bemerkt, ich fiel ihm erst auf, als er den Kontakt zu mir herstellte. Er schreckte auf und schaute mich überrascht an: „Entschuldigen sie, ich habe sie wohl übersehen.“, stellte dieser Mensch fest und setzte sich dann neben mich. Mehr bekam ich von ihm nicht mit. Kaum zu Hause angekommen, fand ich den Zettel und ohne zu warten, erledigte ich alles und ging dann in mein Zimmer.
Der nächste Morgen besiegelte mein Schicksal!
Ich stand auf und zog mich an, ich ging ins Bad und wusch mich. Dann, ohne ein Zögern, ohne eine Frage, ohne einen Blick, trat mein Vater ins Bad und setzte sich auf die Toilette, ich war völlig überrumpelt und schaute ihn an, wollte fragen, doch da spülte er schon, wieder erschrak ich, machte zwei Schritte zurück, hatte vor, ihn zu grüßen, „Guten Morgen“, zu sagen, aber er reinigte schnell seine Hände, trocknete sie und ging dann wieder raus. Er schien mich nicht bemerkt zu haben.
Schon ein wenig verwundert und irritiert, machte ich mich auf den Weg zur Schule. An der Bushaltestelle sah ich mich um und wollte in ein paar Augen gucken, mich selbst produzieren, mich bestätigen, bis mir etwas merkwürdiges auffiel, es fiel mir weniger an mir auf, als viel mehr an den anderen Menschen. Bei jedem sah ich einen Schatten, nur bei mir nicht, er schien nicht da zu sein. Wie lange geht das wohl schon so? Wie fällt einem auf, dass etwas fehlt, wenn man es nicht braucht? Der Bus hielt an und ich stieg ein. Drinnen sahen die Menschen durch mich hindurch, ein Kontrolleur verlangte nichts von mir, er bemerkte mich nicht. Als ich ausstieg, hatte ich das Gefühl, dass jemand in meinen Rücken eindrang, als ob die Tasche des Hintermannes in mich stieß, ich keinen Widerstand darstellte, er mich durchbohrte und ich gar nicht da war!
Der Verdacht bestätigte sich an der Eingangstür, sie klemmte und als ich sie beim ersten Versuch nicht auf bekam, packte eine andere Person an, sie drang durch mich, stand an der gleichen Stelle wie ich, zog am Griff und schaffte es. Ich konnte es nicht fassen, die Person ging durch mich hindurch, nahm meine Position ein, war in meinem Körper und ich stellte keinen Widerstand. Wie konnte das sein?
Ich wollte es testen. Mit all meiner Kraft zog ich an der Tür und öffnete sie, dann ging ich hinein und die Gänge waren gefüllt, viele viele Schüler sprangen und rannten umher, ich stellte mich neben zwei Mädchen, sie sprachen über einen Jungen, der sie wohl zu interessieren schien. Ich kenne ihn nicht, der Name kommt mir nicht bekannt vor, wie auch, ich unterhalte mich nicht mit Klassenkameraden oder anderen Schülern, es fehlt mir an Interesse, aber egal, die beiden Mädchen bemerkten mich nicht, sie redeten ganz ungezwungen, dachten, dass niemand sie hört und sie sind.
Irgendwie glücklich über diesen Zustand nähere ich mich drei Jungen an, stelle mich neben sie und lausche: „Was is’ nun?, steigt was oder nich’?“
„Schon, nur meine Mutter macht noch Stress, die will nich’, dass wir so einen drauf machen“
„Wie, natürlich machen wir einen drauf.“
„Ja, was sonst?“
„Das wäre ja nicht das Problem, nur denkt sie, das es zu viel wird und es außer Kontrolle gerät.“
„Was sonst?“, die Beiden anderen lachen und schlagen ein.
„Ja? Was sonst?“, will auch der Dritte jetzt wissen, lacht und schlägt auch ein: „Na gut, was brauchen wir also noch?“
„Dings, äh wie heißt er noch, der bringt Gras und `ne Pfeife mit.“
„Ich schaffe etwas Alkohol ran, dann wird’s fast perfekt!“, und sie schlagen wieder ein, lachen lautstark und nehmen nichts um sich herum wahr.
„Wer soll eigentlich noch kommen?“
„Na, äh ... scheiß drauf, jedem dem Du bescheid sagst, sag’ auch, dass sie Alkohol mitbringen sollen!“
„Genau, die Eintrittskarte!“
„Ja, das wird eine echt fette Party, oder?“
„Was soll die Frage du Arsch?“, und wieder lachen sie laut auf. Es klingelt und die Drei lassen sich vorerst nicht stören, sie sind scheinbar dafür bekannt und die Lehrer scheren sich nicht mehr darum, denn als sie nach einiger Zeit doch den Raum betreten, gefolgt von Tim, sagt der Lehrer nichts, nicht einmal Tim wird bemerkt.
Ich setzte mich also hinter die Drei und lausche weiter, sie lassen sich kaum vom Lehrer stören, sie reden nur leiser und planen weiter, bis sie abgleiten und über einen anderen Schüler im Raum her ziehen, sie zerknüllen Papier und werfen es auf ihn, derjenige dreht sich um und hat nicht die geringst Chance gegen sie, denn sie sind zu Dritt und werden nicht nachgeben, außer der Schüler wird wie sie, doch dann wären sie schon wieder anders und die Sache finge von vorn an. Ein Opfer bleibt ein Opfer!
Tim ist erstaunt, er war nie ein Opfer.
„Ich bin einsam.“
Das Opfer meldet sich und sagt dem Lehrer, dass er von den Dreien gestört fühlt und schon ermahnt der Lehrer die Drei. Sie hören tatsächlich auf, aber sie besprechen schon, was sie in der Pause mit ihm machen können: „Einen Zettel auf seine Rücken?“
„Wer bist du denn? Hast du was falsches gegessen?“
„Fresse, wir geben ihm eins über!“
„Scheiß drauf, alt und verkackt! Wir werden diesmal richtig böse sein!“
„Ach halt’s Maul, deine Ideen werden immer beschissener!“
„Halt du dein Maul!“, diesmal so laut, dass der Lehrer eingreift, indem er sagt: „Ruhe da hinten. Sonst setzte ich euch auseinander.“, und die Drei lachen auf, schlagen kurz ein und werden ruhig. Kaum macht der Lehrer weiter, stecken sie die Köpfe wieder zusammen: „Was is’ nu’ mit deiner Idee?“
„Also gut, wir machen jetzt noch einen auf Freundlich und tun so, als wollten wir so richtig nett sein, wir spielen auf Freund, klar?“
„Bist noch bei Trost?“
„Ey langsam geht dir die Decke durch was?“
„Klappe zu!“
„Halt deine verkackte Fresse! Der Plan is’ geil, denn dann holen wir ihn zur Party und da gibt’s richtig einen auf den Kopf, klar?“
„Uhuhhh, wie scheiße du doch bist.“, sie lachen über diese Bemerkung und baden sich in Wohlgefühl. Das Lachen aber regt den Lehrer auf und es reicht ihm: „Okay, jetzt reicht’s, ich nehme einen von euch zu einer Kontrolle ran!“, geschockt aber noch fröhlich, drehen sie sich nach vorn und sehen wie brave Schüler aus. Wütend schaut der Lehrer in sein Buch, blättert, findet, drückt den Finger hinein, schiebt ihn von oben nach unten: „Na wen nehmen wir denn da? Maik, nein, Christian, nein, genau, Erich, wir nehmen Erich, los nach vorn, wir wollen dich in voller Gestalt bewundern.“
Erst zögert Erich, sucht Hilfe bei seinen Freunden doch die können ihm jetzt nicht helfen, Geografie stellt für die Anderen auch ein Problem dar. Sie entscheiden schnell, einen Atlas zu nehmen und mit zu suchen. Erich bekommt vorn an der Karte einen Zeigestab in die Hand und soll zeigen, was der Lehrer sagt. „Zeig mir Vancouver!“, und er dreht sich zur Karte, schaut, sucht, dreht sich zurück, blickt zu Maik und Christian, die schon fertig sind mit suchen, sie haben nachgeschlagen. Mit der rechten Hand zeigt er auf sein rechtes Auge, dann öffnet er die Hand, winkt über das Gesicht. Erich dreht sich um, schaut auf Nordamerika und schaut wieder zu Maik, der zeigt jetzt mit dem Finger auf seine rechte Schläfe. Diesmal sucht Erich bei Kanada und an der Westküste findet er Vancouver, erfolgreich und mit ein wenig Verzögerung, das Gesicht von Maik als Landkarte genommen.
Auch die anderen Orte findet Erich immer nach ein wenig Verzögerung oder selbst, dann wird der Lehrer wütend und schickt ihn auf den Platz. „Was hat er für eine Note?, eine Eins?“, will Maik wissen und provoziert weiter, aber der Lehrer reagiert nicht mehr. Die Mitschüler fangen auch an zu reden und wollen es nur schwer lassen, als der Lehrer sie zur Ruhe auffordert. Nach einiger Zeit geht der Lehrer im Stoff weiter und Tim lehnt sich zurück, denn die Drei vor ihm reden nicht mehr, sie schauen nur stolz drein, geben immer mehr Benzin in die Flamme und lachen manchmal.
Es klingelt und der Unterricht ist zu Ende. Die erste Stunde ist vorüber. Tim verfolgt die Drei weiter, sie verfolgen tatsächlich den Plan und gehen zu dem Opfer: „Na?“
„Was wollt ihr?“
„Nett sein!“, und sie lachen auf.
„Wir sind nicht böse auf dich, wir wollen gar nichts machen.“
„Ja, es war cool, was du da gemacht hast.“
„Wie wäre es, wenn du dich hier lossagst und mit uns mit kommst?“
„Lieber nicht!“, die Freunde von diesem Jungen senken alle den Kopf und hoffen, dass sie nicht die Nächsten sind, sie schütteln aber kurz davor noch den Kopf, damit er nicht geht.
„Na los!“
„Wir wollen dir nichts!“
„Nein danke, ich bleibe lieber hier.“
„Nun sei mal nich frech ja, wenn wir wollen, dass du mit kommst, dann komm auch!“, und der Junge fügt sich widerwillig. Maik legt seinen Arm über die Schulter des Opfers und schiebt ihn voran: „Was wollt ihr denn?“
„Nichts, nur plaudern, mehr nicht!“
„Ja, wir suchen jemanden wie dich, einen, der sich was traut.“
„Ich bin aber feige, wirklich.“
„Ach was!“, plötzlich löst sich das Opfer und springt vor, hält sie auf und fragt: „Wie habt ihr das mit der Leistungskontrolle gemacht?“, alle Drei lachen auf und nehmen ihn wieder zwischen sich: „Genau, du bist es.“
„Nein, jetzt mal ernsthaft!“
„Das erfährst du noch, jetzt wollen wir wissen, ob du morgen Abend etwas vor hast?“, der Junge hält kurz inne und antwortet fragend: „Nein, wieso?“
„Wir geben eine kleine Party und du sollst kommen, wir laden dich ein.“, sie wirken richtig ernst und verziehen nicht die Mine, er glaubt ihnen wohl und fragt, ob er einen Freund mitbringen könne und die Drei fragen zurück: „Ist er so cool wie du?“
„Ja, bestimmt.“
„Na dann!“, und dieses Mal lachen sie, schlagen sogar ein.
„Gut, dann Morgen.“, sie wollen ihn gerade allein lassen, als er noch hinterher fragt: „Wo und wann eigentlich?“
„Ach ja, bei Christian, irgendwann am Abend, schau einfach vorbei.“
Allein bleibt der Junge mit Tim zurück und er geht zu seinem Platz, setzt sich wieder zu den Anderen, grinst und fühlt sich gut. „Was wollten die?“
„Sie haben mich zu einer Party bei ihnen eingeladen!“
„Was? Das ist nicht Dein ernst?“
„Doch, und ich kann jemanden mitbringen.“
„Du weißt, was bei solchen Partys passiert, oder?“
„Ja genau und deshalb will ich da hin!“
„Das ist nicht wahr!“
„Doch, denn sie sagen, ich sei anders als Andere, ich sei cooler.“
„Und wer sind die Anderen?“
„Wir?“
„Ja, wir!“
„Nein, nicht ihr.“
„Nein? Wer dann?“
„Ihr jedenfalls nicht!“
„Aber die wollen doch gar keine Neuen, die sind doch zufrieden, die suchen Opfer!“
„Quatsch, ich gehöre zu ihnen, so haben sie es gesagt!“
„Ach ja, und was ist dann mit uns?“
„Was soll mit euch sein?“
„Na wir können nicht weiter Freunde sein, wenn Du zu ihnen gehörst, wir passen dann nicht mehr!“
„Unsinn, das geht schon!“, und sie reden und reden weiter, Tim fängt an sich zu langweilen und steht auf, setzt sich neben ein Mädchen und schaut sie an.
Einige Minuten vergehen und Tim regt sich nicht von der Stelle, genauso wie das Mädchen, sie schaut einfach nur ins Leere, sie bemerkt Tim nicht und Tim weiß nicht, wo sie hinschaut. Er bewundert ihre Gesichtszüge, den Linienverlauf vom Haaransatz, zur Nase, über die Nasenspitze, zum Mund, über die Lippen, entlang am Kinn, bis zum Hals. Noch nie durfte er ein Mädchen so lange anstarren, wie auch, er hatte noch keine Freundin, bekam also nie die Chance, ein Mädchen zu bewundern. Am liebsten würde er sich an ihr satt sehen wollen, doch es gelingt ihm nicht, kaum schaut er weg, muss er sie wieder ansehen, sie bestaunen, sie, am einfachsten für sich, ausstellen. Endlich erhebt sie sich, schwebt über den Schulhof und bleibt regungslos mitten auf dem Platz stehen, verharrt so und schaut wieder fest in eine Richtung, wieder erkennt Tim nicht, wohin sie schaut und er schreibt sie für dumm ab, verliert sein Interesse.
Diesmal, in der dritten Stunde, die Mitschüler hatten die erste Freistunde, geht er in seine Klasse, setzt sich auf seinen Platz und wartet auf das Klingeln, danach füllt sich der Raum. Der Lehrer liest die Namensliste vor und übersieht Tims Namen, doch diesmal ist Tim zu faul, er müht sich nicht, macht keine Notizen, schaut sich nicht um, hört nicht zu, er ist diesmal nur psychisch nicht da. Keiner bekommt mit, dass er schläft, keiner weckt ihn, als die Stunde vorbei ist und keiner weckt ihn, als die neue Klasse den Raum betritt, sich jemand auf seinen Platz setzt, nichts weckt ihn. Bis die Gedanken des Jungen ihn wach machen, die Gedanken die in Tims Körper dringen, die in seinem Kopf landen, die eine Stimme haben. Nicht nur, dass der Junge in ihm sitzt, nein, die Gedanken gehören jetzt auch zu Tim. ‚Hau doch ab du Arsch, wofür brauche ich den Mist denn noch mal, hoffentlich nimmt er mich jetzt nicht dran, was hat er gesagt, aha, Phenylalanin, so’n Blödsinn, nie wieder, nie wieder, warum ruft mich Simone nicht an, könnte jetzt nicht das Handy piepen, dann würden mich alle anschau’n, hab ich eigentlich Deutsch gemacht, scheiße nein, wo hab’ ich nur den Hefter, kacke, der is’ auch zu Hause, was sag ich der, die reißt mir den Kopp ab, eine Ausrede, eine Ausrede, vielleicht, nein, Hefter vergessen, das muss sie glauben, genau. Morgen dann, und wenn sie es dann sehen will, scheiße, was? Test? Wann?’ „Wann?“, fragt der Junge laut und stimmt damit in den Chor der Anderen mit ein. Der Lehrer muss nur lachen und sagt: „Nächste Woche Montag, also in der nächsten Stunde.“
„Aber...“, stößt der Junge noch verzweifelt aus, „das Wochenende?“
Tim hält es nicht mehr aus und steht auf, geht zur Tür und der Lehrer fragt plötzlich: „Wo wollen sie hin?“, und Tim dreht sich verschreckt um, schaut zum Lehrer, der in die Bankreihen guckt, nicht zu ihm, wo ein Mädchen gerade aufsteht. „Zur Toilette, wenn sie es gestatten?“, worauf der Lehrer nichts mehr sagen kann und sie lässt. Sie öffnet für Tim die Tür und sie verlassen beide den Raum, er kommt auf eine Idee.
Langsam folgt er dem Mädchen, schleicht mit auf die Damentoilette und will sich mit in die Kabine drängeln, es gelingt ihm und mit Begeisterung schaut er dem Mädchen zu, wie sie die Hose öffnet, wie der weiße Slip zum Vorschein kommt, wie sie auch den hinunter zieht und sich dann setzt. Sie lässt Wasser und Tim vernimmt das Geräusch, wie Wasser in Wasser läuft. Er verabscheut es, will raus aus der Kabine, dringt durch die Tür und ist außer sich, kann es nicht glauben, er durchdringt Materie.
Er braucht nicht mehr Türen öffnen, braucht nicht zu warten, aber wieso fällt er dann nicht durch die Erde, wieso bleibt er auf der Decke des ersten Stockwerkes stehen und plumpst nicht durch? Egal, die Situation lenkt ihn ab und er stürmt wieder durch die Tür, springt in einen anderen Raum, erblickt dort eine Lehrerin, die sich an ihren Lehrertisch gesetzt hat und von da aus alles zu kontrollieren scheint, denn in dem Raum ist es totenstill.
Die Tage geben ihm nichts Neues mehr, niemand weckt ihn, hat es nie getan. Erst gegen Mittag steht er auf und begibt sich aus seinem Zimmer, schaut sich um und findet niemanden von der Familie. Ein wenig hungrig geht er sich in die Küche und will etwas zu Essen machen, findet aber nichts im Kühlschrank, also geht er ins Bad und lässt sich ein Bad ein.
Es wird dauern und er huscht in sein Zimmer, legt sich wieder ins Bett und verzweifelt, nichts passiert, jeden Tag verbringt er nur durch warten, warten auf irgend ein Ereignis. Ihm wird schlecht und sein Bauch zieht sich zusammen, sein Gesicht bekommt Falten, es sollten Tränen aus ihm rinnen, doch es geht nicht, er schluchzt und jammert, will weinen, steigert sich hinein, doch Tränen fließen nicht. Es fiel ihm schon einmal auf, als er bei einer Beerdigung war, niemand sprach mit ihm, er hingegen weinte nicht, alle Anwesenden schluchzten und übergaben sich dem Tränenmeer, nur er nicht, er blieb trocken und genau wie dort, behaftet mit einem Schuldgefühl, fühlt er sich nur grauenhaft schlecht, entleibt!
„Wieso weine ich nicht?“, er schlägt sich, nimmt die Hände ins Gesicht und gräbt seine Fingernägel in die Stirn, tut sich weh, müsste jetzt zumindest vor Schmerz weinen, doch es klappt nicht, die Tränen bleiben aus.
Das Wasser in der Wanne steht nun richtig, hat die richtige Temperatur und er legt sich hinein, dreht sich auf die Seite und will wieder schlafen. Seine Augen fallen ihm zu und er versucht wieder zu weinen, aber es geht nicht, er schlägt mit der flachen Hand ins Wasser und schreit, er kann nicht mehr empfinden, er ist nicht nur unsichtbar, er ist zu einem Geist geworden, ohne sich dagegen wehren zu können! Wasser spritzt aus der Wanne auf den Boden, alles läuft voll und er beruhigt sich wieder, er lässt sich ins Wasser sinken und der Kopf taucht unter. Luft bleibt aus, er atmet nicht und da wird ihm klar, dass er hier sterben könnte, sich nur dem Wasser hingeben muss und sterben, fühlen wird er dabei nichts, er wird dann einfach tot sein und keiner bekommt es mit.
„Was für ein Leben führe ich schon? Kein Mensch vermisst mich, ich existiere gar nicht.“, und er taucht auf, Wassertropfen rinnen in seinem Gesicht hinunter und er weiß, dass sie ein Ersatz sind. Mit dem Zeigefinger tunkt er ins Wasser ein und lässt Perlen aus seinem Auge die Wangen hinunter laufen. Er weint. Es stimmt ihn irgendwie fröhlich, er hat herausgefunden, wie er weinen wird, dass er weinen wird und so fühlt er sich lebendiger. All seine Gefühle kann er doch auch extern darstellen, er kann lachen indem er die Mundwinkel mit den Fingern zieht, kann durch Wassertropfen weinen, kann sich verlieben und stellt sich neben Feuer. Was also macht ihn weniger lebendig als die anderen Menschen?
Ja, so fühle ich im Moment, ich sitze hier und trockne mich ab, die Welt habe ich euch nun gezeigt, so wie ich sie erlebt habe und nun bin ich wieder lebendig, ich fühle mich gut, ich bin sogar besser als die Anderen, ich kann durch sie gehen, sie denken, durch Wände wandeln und trotzdem überall sein! Beneidet mich.
Tim hat sich also mit dem Zustand der Unsichtbarkeit abgefunden, nur wie lebt er damit wirklich?
Ihn zu beobachten, wäre wohl ein Farce. Vieles ergibt sich nur aus dem, was ich über ihn in Erfahrung bringen konnte und genau darin steckt das Problem dieses Textes. Somit bleibt die Frage bestehen, wie viel davon stimmt!
Jeder weiß ja nun, dass er nicht fühlen kann, nicht emotional ist, er spürt zwar Dinge, doch er verbindet damit nichts. Auch geht er durch Materie, unbeschreiblich, er dringt in andere Menschen ein und denkt sie mit, beobachtet, lauscht und wird nicht bemerkt. Aber er zweifelt an sich, an sich und seiner Existenzform, denn er ist allein, völlig allein.
Was in ihm schlummert, ahnt er nicht, er rühmt sich selbst als so selbstständig und weiß noch nicht, dass in ihm ein Komplex wächst, der ihn noch zugrunde richten wird. Ihm fehlt die Möglichkeit, wirklich damit zu hausieren, für sich zu hausieren. Er muss es immer wissen und es verstehen, dann richtet es anders. Selbsterkenntnis. Wie soll er da noch emotional werden? Solch eine Regung zieht er sofort in Zweifel, nimmt die Wahrnehmung und Bewegung dazu wahr und zerschmettert es. Ein Wutausbruch als Deutung des Körpers. Sein Verständnis dafür. Im Geist steckt nicht mehr die Emotion, nur der Rest des Körpers wehrt sich noch, des Geistes invalider Kampf mit dem Ende der zweiten Hälfte.
Jeden Tag steht er also auf, wann er Lust dazu hat und legt sich wieder hin, wenn es ihm passt. Und so geschieht es auch heute. In einem Akt der Freude öffnet er die Augen und findet sich in seinem Zimmer, die Zeit sagt ihm, dass es Mittag ist und sein Körper meldet ihm erhaltene Erholung. Sehr ruhig und ohne zu zögern, steht er auf und zieht sich an, verbringt ganz wenig Zeit vor dem Spiegel, sieht sich und putzt die Zähne. Wenn nur er sich sehen kann, dann bleibt ihm doch sein Verstand und er existiert, denn jemand weiß von ihm. Er.
Nach einem Happen zum Frühstück, begibt er sich auf sein Fahrrad, da er sich im Bus nicht mehr wohl fühlt. Mit kräftigen Tritten kommt er voran und in die Stadt. Gern setzt er sich auf eine Bank und schaut zu, wie viele Menschen an ihm vorbei gehen ohne ihn wahr zu nehmen, er steht manchmal auf und steigt in sie, hört ihnen zu und setzt sich wieder, bleibt sitzen, wenn jemand in ihm Platz nimmt, lauscht und bereichert sich mit den Gedanken der Menschen, es gefällt ihm.
Ein schönes Mädchen läuft an ihm vorbei und er folgt ihr, nimmt ihre Gedanken auf und will sie kennen lernen, will mehr aus ihrem Mund hören, will seinen Namen gesprochen haben und sich dann beruhigen. Sie bekommt nichts von ihm mit, sie reagiert auf nichts. Er stellt sich vor sie, winkt, will sie schlagen, ins Gesicht, seine Hand durchdringt ihren Kopf, er will sie berühren, dringt in sie ein und spürt nichts. Also setzt er sich wieder hin und versucht, sie zu vergessen, kommt auf die Idee, ihr zu folgen, ihr zuzusehen, wenn sie in ihrem Zimmer ist, sie nackt zu beobachten und auf Ideen zu kommen, aber er lässt es. Er wendet sich wieder anderen Dingen zu, er sieht zu wie jemand krampfhaft versucht, Geld aus einem Zigarettenautomaten prügelt und sich dabei verletzt.
So zeiht sich der Tag hin, sein Fahrrad steht nicht weit weg von ihm, keiner bemerkt ihn und wenn er damit fährt, bleibt alles beim Alten, die Menschen verfolgen einen Trott, es geschieht auch nichts. Bis plötzlich alles stehen bleibt, nichts bewegt sich mehr, kein Mensch tut noch etwas, irritiert bleibt er mit dem Rad stehen und schaut sich um, alles in absolutem Stillstand, Ruhe. Jemand ist vorgebeugt , ein Anderer steht , noch ein Anderer hängt in der Luft , aber jetzt ist Stillstand. Die Dinge bleiben wie sie sind, es herrscht die Zeit zwischen den Sekunden und niemand weiß davon, nur Tim. Und er fährt weiter, findet die stehenden Leute gut, sie lassen sich berechnen, er kann schnell an ihnen vorbei fahren und muss nicht warten oder schauen, ob sie ihm nicht vor dem Rad hängen. Es gibt auch niemanden, der denkt, der die Ruhe stört, es ist paradiesisch und er dazwischen. Kein Wind, ein Atem, keine Gedanken, keine Bewegung, keine Idee in seinem Kopf, es scheint auch in ihm anzufangen, er denkt langsamer und ihm wird nichts mehr so deutlich, er bekommt mit, wie er anhält. Aber es stimmt nicht, er bildet es sich ein.
Seine Angst steigert sich, er findet nichts in den Augen der Anderen, als wollten sie ihn nicht, er wird fremd und seine Gefühle vereisen, es treibt ihm Wut unter die Haut, er will wieder weinen, kann es immer noch nicht, er stirbt innerlich.
‚Wie sollen sie von mir wissen?’, der Gedanke hat ihn noch nie gestört, aber in ihm steigert es sich zum ersten Mal so weit, er zerspringt und die Teile von ihm liegen verstreut um seine Seele herum, er ist jetzt wirklich ohne Existenz, er ist endgültig tot.
Jetzt stehen ihm alle Türen offen, er kann aus dieser Stadt verschwinden, braucht nicht zu essen, nicht zu trinken, nicht austreten und nicht auf Konsequenzen achten, er ist frei, vollkommen frei. Aber er kennt niemanden und nichts. Was also soll er machen, kann sich nicht entscheiden, kommt nicht aus seinem Turm, findet keinen Hammer, kann kein Fenster hinein schlagen, kann sich nicht befreien und in ihm geht wieder etwas Zugrunde, seine ganze Welt stürzt ein, sein ganzes Universum, er löst sich nicht von der Welt, seine Gedanken bleiben da und seine Seele steigt auf, er steigt empor und sein Verstand bleibt zurück, hier auf der Erde, ganz allein und ohne eine Form des Daseins, ohne jeden Hang zur Anerkennung, ohne einen Anhalspunkt, es ist um ihn geschehen.
Tim braucht keine Schritte zu machen, er bewegt sich, er braucht nicht mit dem Fahrrad zu fahren, er kommt so voran, egal wie schnell und so rauscht er durch jeden Kontinent, hält nicht an, nicht in Asien, nicht in Amerika, nicht in Afrika, nein, er kommt nach der Erdumrundung wieder in die alte Stadt zurück, da wo alles angefangen hat, da wo alles enden wird, da wo sein Pech zu Hause ist! Und alles bewegt sich wieder, die Dinge laufen, er kommt in eine Welt, die ohne Ruhe lebt, es ist wieder die Welt, die ihn nicht kennt.
Kaum einen Gedanken bringt dieses Bild in ihm auf, die neuen Bilder der Welt verschwinden auch schon wieder, Amerika war nicht interessanter als das hier. Mit wenigen Schritten schleicht er durch die Stadt und sieht sie sich an, beobachtet wieder Menschen und vergisst die Zeit, alles läuft im Zeitraffer an ihm vorbei, die Sonne geht auf und unter, der Tag verstreicht und seine Augen schließen sich nicht. Er wird alt im Kopf, seine Erfahrungen bringen ihn aber nicht wieder in die Wirklichkeit. Er wird zu einer Statue ohne gesehen, bewundert zu werden, sein Wissen sieht niemand, auch nicht seine Einsamkeit, er will diese Strafe verstehen und scheitert in jedem Moment seiner Suche, empfindet nicht und hofft, noch ein Mensch zu sein.
Tim sitzt wieder auf einer Bank und beobachtet, kann nichts Neues erkennen und verlässt sich auf den Spürsinn, den er entwickelt hat, konzentriert sich auf einen Punkt und wartet, aber es passiert nichts, er hält im Kopf an und ist verloren. Bis plötzlich eine Gestalt auftaucht, ganz plötzlich und ohne Bewegung, sie steht nur da und beobachtet, sie tut das selbe wie er und wird nicht bemerkt. Kaum gesehen, verliert sie sich auch wieder, die Gestalt ist verschwunden. Erschrickt und wild springt er auf, sucht mit den Augen die Umgebung ab, alles bewegt sich, alles ist normal, niemand bekommt seine Hektik mit, er schreit um Hilfe, verlangt Aufmerksamkeit, versteht sich nicht mehr und macht sich davon.
‚Diese Gestalt, sie war unsichtbar, so wie ich, sie war da.’, schleudert er die Worte von sich, ‚Ich habe es mir eingebildet!’, und so beendet er die Gedanken darüber und will nicht mehr daran denken, vergisst es wirklich und hat sich unter Kontrolle.
Also schwingt er sich auf und schwebt umher, durchdringt Menschen und nimmt ihre Gedanken mit, lässt sie etwas vergessen. Ganz ohne Ideen schweift er umher, findet nichts Neues, will alles so behalten und erkennt einen Sinn, in ihm steigt ein Verdacht auf, als sei er über die Menschen und ihr Leben erhaben und könne nun feststellen, wieso die Menschen da sind und warum sie sich in diesem Leben nicht wohl fühlen.
„Sie sehen nicht, dass das was sie tun, der eigentliche Sinn im Leben ist, dass der Alltag ihren Zyklus darstellt, dass sie nur durch diese Tatsache zu ihrem Leben kommen. Der Stillstand an einem bestimmten Ort ist der Sinn!“ Er steht vor einem Schaufenster und sieht, wie die Menschen hinter ihm entlang gehen, sich nicht beirren lassen durch ihn, weil sie ihn nicht sehen, dass sie einfach nur das tun, was sie jeden Tag tun. Aber Tim ist anders, er erkennt es nicht nur im Spiegelbild des Schaufensters, sondern auch, wenn er durch diese Menschen dringt, wenn er ihre Gedanken erfasst, wenn er wieder sieht, dass sie wieder an die selben Sachen denken wie am letzten Tag. Jeder dieser Menschen versucht und sucht und versucht ein und das Selbe jeden Tag und jeden Tag ändert sich nur eins, die Vorstellung, was sie suchen, sie lassen es immer wieder anders aussehen, es bleibt aber gleich. Sie halten sich trotzdem am Leben, was aber treibt sie bloß dazu?
Mit der Verzweiflung aller Menschen schlägt er mit dem Körper auf dem Boden auf, den er sich gemacht hat, sein Fundament der Gedanken verlässt ihn, es ist zerstört. Jeder Faden zur Welt ist zerrissen und Tim befindet sich in einem anderen Sinne am Leben, er sucht wieder.
Was aber bringen ihm die Erkenntnisse in dieser Welt, alle Menschen suchen und niemand findet, alle Menschen sind immer gleich, sie wollen es nur nicht wahr haben, alle Menschen gleichen dieser Stadt, denn die Probleme verbergen sich hinter den Mauern die an den Straßen entlang führen und sie balancieren auf den Mauersätzen umher, ohne sich für die Straße oder das Dahinter zu entscheiden können.
Tim springt auf und will einen Menschen umstoßen, er soll merken, dass es etwas anderes um ihn herum gibt, als nur Luft, dieser Mensch soll von der Mauer fallen. Er stürzt auf jemanden zu und dringt durch ihn hindurch, sein Einfluss war nicht körperlich und auch nicht geistig, dieser Mensch hat nichts von Tim erhalten. Doch er gibt nicht auf, versucht es beim Nächsten und scheitert wieder und wieder und wieder ... er gibt auf, die Wahrheit lässt sich nicht in sie pflanzen.
Was für eine Verschwendung. Tim hat endlich erreicht, was alle wollen, er hat die Wahrheit erkannt und kann sie niemandem vermitteln, es ihnen sagen, einhämmern, ihnen ihre Wahl offenkundig machen, ihnen sagen, dass die Tristes von ihnen erschaffen wurde und das Ziel dieser Tristes es ist, sie zu hindern; sie trauen sich nicht, von einer Mauer zu springen, sich ins Ungewisse zu stürzen. Sie sind wilde Pferde, die immer in einem Trott bleiben, um immer etwas zu fressen zu finden, wenn sie sich von der Gruppe trennen würden, fänden sie nur unter anderen Bedingungen etwas zu fressen, sie wären im Unsicheren, sie könnten nicht erahnen, was sie erwartet, sie wüssten nicht, ob sie bald wieder fressen könnten.
Aber daran kann Tim keinen Funken ändern, er liegt am Boden und verzweifelt an der Situation, es ist so und es wird so bleiben, die Menschen können nichts von ihm erfahren, er bleibt also ohne die Gewissheit der Menschen, die Menschen bleiben ohne die Gewissheit von Tim. Kraftlos richtet er sich auf und schwebt, versucht wieder zu gehen, er will wieder ein Mensch sein, einer von ihnen, ein ganz normales Wesen, ein ganz normaler Mensch, mehr nicht, er will ihnen nichts mehr sagen, will ihnen nicht vermitteln, was er weiß, weiß, dass sie nicht glauben, weiß, dass sie nicht wissen wollen.
Mit dem Verlust der Lust am Dasein steigt er auf ein Fahrrad und versucht sich wie ein Mensch zu verhalten. Nicht die Tritte in die Pedale bringen ihn voran und dann bleibt wieder die Welt stehen, sie rühren sich wieder nicht mehr, keine Bewegung, nur Ruhe und unendliche Stille. Die Köpfe stehen still, die Augen ruhen, er sucht trotzdem nach einem Augenpaar. Und die Farben der Iris ändern sich von einem zum Andern immer wieder, mal blau, mal braun, mal grau und da sind es zwei Augen, die ihm folgen, er sieht in sie und sie lassen nicht von mir ab. Erst bin ich mir nicht sicher, sie scheinen vielleicht nur gerade in meine Richtung zu starren, doch dann werde ich mir sicher, sie folgen mir, aber sie können mich doch nicht wahr nehmen, sie sind doch nicht bereit, mich zu registrieren, sie sind blind, ich bin doch ohne sie! Was macht sie, sie ist eine Frau, sie schaut mir nach, sie guckt mich an, sie mustert mich, wird sie auch noch lächeln? Sie bewegt sich, alles bewegt sich und sie bleibt stehen, sieht mich, sieht mir nach und nimmt mich so wahr, wie ich bin, ganz so als sei ich Mensch.
Ich drehe mich um, sie steht noch da und lächelt, als sei der Moment dafür da, mich zu sehen, mich zu verführen. Aber plötzlich erschrickt sie, sie dreht sich weg, geht weiter, wendet den Kopf zu mir, sucht mich, findet mich, lächelt wieder, beeilt sich, sie wird gerufen, ich höre den Namen Marie und er klingt himmlisch in meinen Ohren. Ich stehe und gehe ihr hinterher. Sie bekommt es mit und freut sich, grinst mir voraus und ich bin motivierter, sie glänzt für mich, sie glitzert und sie flieht zu jemand Anderem.
Ich sehe einen Mann, sie fällt in seine Arme und sie findet mich nicht, sie wendet sich ab. Er nimmt sie an die Hand und sie dreht sich um, ich akzeptiere es und stehe noch am selben Platz, will sie nie wieder verlieren, doch sie sucht mich, ich stehe immer noch da und sie erkennt mich nicht, sie streift alle Gesichter der Gegend und findet mich nicht, ich versuche, mich zu erkennen zu geben, doch sie schaut durch mich hindurch und ich verstehe wieder, ich werde nicht mehr gesehen. Aber was macht die Welt mit mir, ich will diese Frau und sie wird für mich da sein. Ich folge ihr.
Sie folgt ihrem Freund, er zieht sie immer ein wenig und sie versucht immer noch, mich zu finden, doch ich habe etwas verloren, nur was, ich weiß es zu genau, meinen Körper, wie soll sie mich da sehen, aber dann hätte sie mich nie sehen dürfen, hat sie aber. Ihr Freund zerrt sie von einem ins andere Geschäft, sucht sich etwas aus und fragt nach ihrer Meinung, und sie stimmt immer zu, hofft, mich zu sehen und wird immer enttäuscht. Ihre Blicke dringen durch mich. Ihr Freund schickt sie hin und her, sie soll die Sachen holen und dann beurteilen, sie fügt sich dem um nach mir zu schauen und findet mich nicht, drückt alles hinunter, was sie an Würde in sich trägt, legt die Frau ab und gehorcht. Kleine Spitzen aus ihrem Mund, ungehört und Vorwürfe von ihm. Sie verlassen den Ort und begeben sich nach Hause, wo sie traurig und in sich gekehrt auf einem Sofa Platz nimmt, während er seine Sachen anprobiert, sie präsentiert und ihren Zustand nicht bemerkt. Ich bin neben den Beiden und versuche ihn zu verstehen, schaffe es nicht, etwas gegen diese Wut in ihm zu tun, bin machtlos und spüre, wie seine Hand auf die Wange von Marie trifft, es fühlt sich schrecklich an, es raubt mir den Atem und ich merke, wie mein Bewusstsein schwindet, ich verspüre einen Aufprall, ich bin zu meinen Gefühlen gelangt, ich bin ein Teil eines Teils und könnte bald ein Ganzes sein, ich war auf dem Weg der Besserung!
Irgendwann bin ich wieder zu mir gekommen und habe versucht, ihn zu finden in dieser Wohnung, ihn zu etwas zu drängen, was er nicht will, seine Gedanken steuern, ihn sich entschuldigen lassen, doch ich fand nur sie.
Eine Fee lag in einem Bett, dass für eine Fee gebaut wurde, ich befand mich in ihrer Wohnung und er war wohl nur zu besuch gewesen. Ich versuchte sie zu streicheln, sie zu berühren, mich durch sie wirklich werden zu lassen und mir alles wieder zu geben. Die Hölle stürzte auf mich ein, denn ich fiel die Etagen nach unten, landete im Keller und war von allem verfolgt, ich fiel von ihr fort, ich war nicht im Stande, auf einem Boden stehen zu bleiben, ich drang durch die Decke des Geschosses darunter bis auf die Erde. Es blieb dabei und ich gelangte nicht noch einmal nach oben, ich schloss die Augen und vergaß kurz die Zeit, sie rannte und als sie das Haus verließ, nahm ich alles wieder wahr, ich blieb bei ihr. Jeder Schritt war von einem Meiner begleitet, ich schwebte und schritt, ich sah und ich lauschte, ich verliebte mich in sie und konnte nicht mehr von ihr weichen. Jede Sekunde des Tages verging, indem ich an sie denken musste und immer wenn ich es tat, sah ich sie einfach an, ich war bei ihr, denn sie befand sich mir so nah. Ich blieb außerhalb von ihr, ich machte sie mir zu einem Geheimnis und klammerte mich an jede ihrer Bewegungen, ich verehre und begehre sie, ich empfand nie zuvor etwas ähnliches, so etwas annähernd vages. Ein liebäugeln mit dem Körper und jede Hilfe suchen, die sich in Worte fassen lässt. So wurde es besser.
Etwas, wie ein Stechen, tat sich unter meinem Kopf auf, etwa in Bauchhöhe, ein kleines Drücken, nicht unangenehm, nur neu und unverhofft. Mein Körper steigerte sich, sie musste vielleicht an mich denken, vielleicht bin ich durch sie irgendwann mal wieder im Begriff wirklich zu sein, da zu sein, für sie.
Bringt Liebe mich in diese Welt zurück? Ich will es aber nicht glauben. Wie soll mich denn ihre Liebe wirklich machen, ich bin doch nicht zuschauen, ich bin doch nicht für sie da, ich existiere doch nicht und dann auch noch sie mir verfallen machen? Funktioniert denn die Liebe nicht über den Körper? Muss sie mich nicht sehen, fassen, riechen, schmecken und hören können?
Eines kann ich erreichen, dass sie mich hört, wenn ich in sie dringe, wenn ich mir ihren Körper zu meinem mache. Ha, dann fühlt sie mich auch, sich spürt sie, dann riecht sie mich, hört sie mich mit einer Stimme, ihrer Stimme, nur sehen darf sie mich nicht, nicht mich. Der Spiegel wird nicht der Ersatz für meinen Körper geben, sich lieben darf doch nicht der Ersatz für den Körper des Gegenüber sein?
Es ist verloren, ich bin nicht im Stande, der Liebe Herr zu werden, es gelingt mir nicht.
Sein Verstand gibt auf und die Liebe schwindet? Sein ganzes Begehren erschöpft am Gedanken der Aufgabe und nur sein Herz, dass wieder anfängt zu schlagen gibt ihm Leben. Er vegetiert vor sich hin, sein Herz schlägt beharrlich und sein Geist steht still, er steht fast still. Kein Gliedmaß, kein Gedanke, keine Emotion, nur Ruhe. Bumm, bummbumm, bumm, bummbumm.
Er kränkelt und nichts hält ihn noch auf, sein Suizide steht bevor. Wie will er es vollbringen, keine Glieder, keine Gegenstände, keine Höhe, keine Luft, keine Gewalt von ihm oder gegen ihn, er ist machtlos und im Geiste sehnend nach dem Tod. Und da tut sich ihm das Sehnen auf, er sehnt sich nach dem Tod.
Es ist ein Begehren, nicht stark, nicht reichlich, aber ein Begehren, eine kleine, winzige Kraft! Ausharren folgt.
Ein wenig feucht sind ihre Lider, ihre Augen sind kurz vor dem Tränen, doch etwas hält es zurück, eine laufende Nase. Ein Gefühl in ihr verursacht diesen Zustand und sie will ihn nicht, sie verlangt nach einer Besserung. Und so kämpft Marie den ganzen Tag mit ihren Augen. Sie kennt ihren Freund nicht mehr, sie bekommt langsam Angst vor ihm. Sein Schlag tat weh und ihr Kiefer lässt sie nur noch weniger essen, als sie sonst löffelt. Doch noch etwas unangenehmes verfolgt sie, ein ungutes Gefühl, als traue sie sich bald etwas, eine Tat oder ein Vorhaben, dass sie sonst nicht in Erwägung ziehen würde, ein Mut findet sich ein. Der Tag soll aber endlich bei ihr enden, in ihrer Wohnung und in ihrem Bett, sie möchte allein schlafen, in einem Bett allein und ohne diesen Freund, ohne diesen Mann, ohne Männer. Nur fürchtet sie sich jetzt vor ihrem eigenen Schatten, als bewege er sich, als sei er nicht sie und ihr Freund fängt zu geistern an. Kaum betritt sie ein Geschäft, sieht sie ihn im Spiegel, er hat sich gezeigt, für eine Sekunde. Als sie das Geschäft verlässt, steht er auf der anderen Straßenseite und grinst hämisch. Schritt und Tritt bleiben nie ungesehen von ihm.
Fest schließt sie die Tür und dreht den Schlüssel innen so weit, dass er anschlägt und sie ihn stecken lässt. Dann noch das Vorhängeschloss und einen Stuhl unter die Klinke, dann die Tränen, es sind Tränen aus Angst und Verzweiflung, denn nicht einmal diese Maßnahmen bringen ihr ein sicheres Gefühl. Das Geistern des Freundes geht weiter, er verlässt sie nicht einmal in der eigenen Wohnung, ein kalter Schauer wandert über ihren Rücken, ein brutales Streichen von ihm über ihre zarte Rückseite.
„Was ist, wenn wir uns nicht mehr verstehen sollten?“
„Wieso nicht mehr verstehen?“
„Naja, wenn irgend etwas zwischen uns treten sollte.“
„Nichts kann zwischen uns treten und wenn doch, dann entferne ich es, egal wie!“
„Und wenn es etwas ist, das fehlt?“
„Dann werde ich es zurück holen.“
„Und wenn es sich nicht zurück holen lässt?“
„Dann versuche ich es mit aller Gewalt!“
Sie wacht auf und findet ihre Decke nicht, sie hat sie vom Bett geworfen, irgendwann im Schlaf, irgendwann in ihrer Angst. Wieso nur habe ich Angst vor meinen Träumen? Sie sind doch nur Erinnerungen, sie sind Vergangenheit. Was treibt mich nur immer wieder dazu, an ihn zu denken, als sei er neben mir und schickt mir kleine Nachrichten, flüstert mir in mein Ohr und sagt mir, dass ich ihn anschauen soll, als fordere er mich auf, zu zaubern, seine Gewalt zu vergessen, mir weh zu tun.
Sie steht auf und geht ins Bad, sie wäscht ihr Gesicht mit kaltem Wasser und schaut lange in den Spiegel, sie betrachtet sich und findet nur ihr Gesicht, nur ihre bekannten Konturen, keine Veränderungen und fragt sich, wieso ihr Körper es immer wieder vollbringt, nichts von innen nach außen dringen zu lassen. Ihr Innen zeigt sich einfach nicht, keine Angst auf ihrem Gesicht, keine Sorgen, kein Altern, kein Reifen, nur ihre kindlich feine Schönheit, als bliebe sie für immer so. Sie ist eine Milo, der die Arme innerlich abgehakt wurden und sie noch immer schön ist, ihre Schönheit von allen bewundert wird, sie aber nichts wird ändern können, ihr fehlen ganz einfach die Arme, um es zu zeigen, kann sich ja nicht wehren. Sie trägt keine Maske.
Sie vernimmt ein Piepen, sie hört ihren Wecker und schreckt vom Spiegel weg, einen Augenblick lang ein Gesicht hinter ihr, sie bemerkt es nicht.
Die Arbeit ruft und sie wird wohl oder übel da hin müssen, doch niemand kann dort mitbekommen, was am Vortag passiert ist, denn ihr Kiefer zeigt keine Spuren. Nur in ihr scheint sich etwas verändert zu haben, sie will es beenden und der Gewalt Herr sein, sie verhindern und sich so von ihrem Freund trennen. Eine klare Entscheidung.
Sie befreit sich so aus einem Trott, der sie schon verfolgt hat, sie entflieht aus einem Zustand der Auflösung, sie kam sich fast schon unsichtbar vor, sie wird sich nach einem anderen Mann umschauen und sich wehren, sie wird lieben. Morgen legt sie den grässlichen Schatten ab und wird das Gefühl der Verfolgung los, sie findet nichts mehr von ihm, keine Spuren an ihr, keine Verwüstungen dringen aus ihrem Inneren an ihr Auge, sie erblickt nicht einmal mehr ihn!
Der Tag geht rum und Daheim wartet er und sie bereitete sich darauf vor, sie ist bereit. Ohne das Licht an zu machen, weiß sie von ihm auf dem Sofa und setzt sich neben ihn.
„Es tut mir leid mit Gestern, bist Du noch böse?“, will er wissen und fasst sie am Arm, doch sie zieht ihn flink weg.
„Nein, ich bin nicht mehr böse. Aber ich weiß jetzt, dass alles anders wird!“
„Wie meinst Du das?“
„Es geht einfach nicht so weiter.“
„Machst Du etwa Schluss?“
„Ja!“
Was sie zum Aufstehen zwingt und in ihr Schlafzimmer treibt, einmal aus Drang weg zu laufen und aus Angst vor Schlägen. Sie verschließt die Tür hinter sich und wirft sich aufs Bett, dann wartet sie und erwartet das Zufallen der Wohnungstür. Zeit vergeht und die Dunkelheit in der Wohnung bringt mehr und mehr Müdigkeit, sie will schlafen, doch er scheint noch in der Wohnung zu sein. Die Augen werden schwer, die Lider sinken und sinken... ein lautes Krachen, Klirren und Geschrei, er randaliert und sie kann sich nicht mehr raus trauen, er dreht jetzt ab und sie muss hinnehmen, dass die Wohnung danach aussehen wird wie ein Haufen Scheiße, aber es war ihre Schuld, sie wollte es so. Ihr Freund bringt sich nur ein, er trägt seinen Teil dazu bei, er nimmt sah sie nicht an, er akzeptiert sie nicht mehr, sie ist verloren gegangen und die Wohnung fällt ihm zum Opfer. Die Wut von ihm entlädt sich weiter an der Schlafzimmertür, sie scheint verschlossen und so tritt er gegen, tritt sie ein. Wild stürmt er hinein und zerwühlt das Bett, wirft die Kissen durch den Raum, wütet, wirft die Kommode um, springt gegen die Wand und legt sich dann auf die nackte Matratze.
Gepresster Atem, erschlaffende Muskeln, versiegende Energie und Schlaf schweben im Raum. Sie kauert in der Ecke und beobachtet ihn, bewundert ihn und seine Kraft, versteht diese Macht und diesen Körper nicht. Ganz langsam richtet sie sich auf, streift mit dem Rücken an der Wand hoch und stellt sich hin. Behutsam und so leise wie möglich geht sie ans Bett und sieht ihn an, streckt die Hand aus und traut sich nicht weiter. Es vergehen Minuten und die Entfernung zu diesem Mann sinkt, sie kann ihn fast berühren, aber sie wird nicht.
Mit einem Ruck richtet er sich auf und kommt zu sich, er reibt seine Augen und starrt Richtung Tür, er atmet ruhig und flach, er wartet auf etwas.
Marie steht neben ihm und schaut sein Profil an, sie sieht in eine ganze Weile nur an und wartet, wie er, auf etwas, nur weiß sie worauf, auf einen Kuss. So wie sie den Kuss erwartet, verabscheut sie ihn aber auch, es sträubt sich in ihr und der Entschluss wird wieder stark, sie wendet sich ab und mag sein Gesicht nicht mehr.
Ohne tief Luft zu holen oder sich darauf vorzubereiten steht er auf und verlässt die Trümmer, seine Schritte sind nicht zu vernehmen, er verschwindet einfach in der Stille und aus der Welt.
Tim hat verloren und er akzeptiert es, ich bin nicht im Stande eine Unsichtbare wieder sichtbar zu machen, um mich dann sehen zu können, dafür fehlt mir einfach die Kraft, sie fehlt mir jetzt schon. Es liegt mir fern, aufzugeben, ich will es gar nicht und darum schreibe ich mich als einsam ab, ich verliere mit jedem Wort meine Hoffnung, diese Geschichte gut erzählt zu haben. So und nicht anders hebe ich mich im Er auf und er traut sich nicht mehr weiter voran, seine Schritte enden mit dem Übergang ins Er, er stirbt endgültig, seine Existenz negiert sich, kein Körper, kein unsichtbar sein, kein sein, ich ist weg und nur er ist noch da, der, der nichts ausrichten kann, der, der sich jeder Verantwortung entzieht, der, der niemand zu sein vermag und doch so viel hätte anrichten können. Ein Wort!
