Kreatives
 

Der Schwung

Aus Wikingerwerkstatt

Der Schwung

von Eve McFar

Am liebsten legt er sich aus Protest auf die alte Holztruhe am Ende des Flurs. In ihr ist kein Platz, sonst verkröche er sich in sie. Die alte Truhe gehörte seiner Oma, die das Ding nicht sonderlich gepflegt und heruntergewirtschaftet hatte. Erst nach der Restauration fiel der schlimme Befall durch Holzwürmer auf, die unter der dicken Schicht weißen Lacks viel kaputt fraßen.

Ritja liegt oben auf, preßt seinen Bauch auf den Deckel und läßt seine Gliedmaßen die leichte Rundung des Deckels abwärts hängen. Dicke Kullertränen laufen seine geröteten Wangen runter und ein tiefes und langgezogenes Heulen wird von der Truhe noch verstärkt und hallt im langen Flur kräftig nach. Wüßte man nicht von Ritja, dass er da oben protestiert, könnte es ein Geist sein, der durch Mark und Bein die Menschen ängstigen will. Ritja heult, weil er Schwimmen gehen will, aber da er noch zu jung ist und Besuch im Haus, geht niemand mit ihm und allein darf er noch nicht.

Henrik und Alva, die beiden Eltern von Ritja, klären ihre Gäste auf, die erst fürchterlich die Furcht ergriff, doch nun auf Dominik schauen, der alt genug ist, um mit Ritja zusammen baden zu fahren. Doch die liegt, ohne die Augen, die auf ihn gerichtet sind und die Worte, die über ihm niederprasseln zu registrieren, faul auf dem Bauch und schaut fern. Dominik kann Ritja nicht riechen, für ihn haben seine Finger nach einer Berührung Ritjas den Geruch eines ungewaschenen Penis. Den Geruch kennt er aber auch nur aus dem Krankenhaus, als er mit einem gebrochenem Bein einlag und drei tage nicht aufstehen wollte und satt dessen in die Glotze starrt, um den Sturz zu vergessen. Das juckende und wachsende Haar störte ihn und er kratzte sich, bis er seine Finger nicht mehr riechen konnte und nach langem Zögern die Toilette machte. Ohne Hilfe, darauf war er stolz.

Ritja hingegen heulte noch immer und das Jaulen schwingt durchs gante Haus. Als er sich noch einmal höher schwingt in seiner Lautstärke, erdreistet sich Dominik, den Fernseher lauter zu machen. Diese Frechheit ist dann seinen Eltern zu unverschämt, dass Paul, sein Vater ihm die Fernbedienung wegnimmt, den Fernseher aus macht und ihn auffordert etwas mit Ritja zu unternehmen.

Ohne ein Wort zu sagen, dreht sich Dominik auf den Rücken, legt seine Hände unter den Kopf und sah seinem Vater von unten ins Gesicht und grinst. Kurz davor eine gewischt zu bekommen, richtet er sich mit einem Ruck auf, streckt sich und gähnt laut, hält dabei theatralisch die Hand vor den Mund und schaut zu Henrik, der ihn kurz verschmitzt zulächelt und dann schnell das Gesicht wechselt, um Paul anzusehen.